Mittwoch, 30. September 2009

30.09. (Mi - Tag 13 - Mount Everest Base Camp 5.360m und Gorak Shep 5.130m)

Heute ging es zu dem großen Ziel der Reise: Zum Mount Everest. Zunächst jedoch mussten wir unsere Zelte in Lobuche abbrechen und auf 5.130m nach Gorak Shep wandern. Es war zwar nur eine Strecke von rd 3 Std., aber die kam mir wie eine Ewigkeit vor. Es ging zwar insgesamt nur 230 Höhenmeter hoch, dafür aber immer bergauf und bergab. Und wir durchschritten ein Gletschergebiet, insofern gab es wieder viele Felsbrocken.

Endlich angekommen aßen wir ein wenig und machten uns dann zusammen mit Jakob, einem einsamen Trekker aus Bielefeld, auf den Weg zum Base Camp am Fuße des Mount Everest. Die Strecke dauerte rd. 2 Std. und führte uns an vielen interessanten Bergen vorbei. Der Weg führte hauptsächlich an einen Gletscher entlang, d.h. wir liefen auf der Spitze der Seitenmuräne.
Dann bog der Weg plötzlich in die Mitte des Gletschers ab, denn dort ist der offizielle Ort des Base Camp. Aber zu sehen war da nicht viel. Klar, der Gletscher und die Berge sind schon Klasse. Aber der Mount Everest lag - so wie leider oft - in Wolken eingehüllt. Es war ja auch schon Nachmittag. Noch weiter am Berg befindet sich derzeit übrigens das Basislager einer Expedition des indischen Militärs, die in den kommenden Tagen zum Gipfel des Mount Everest wollen.
Wir machten also einige Fotos, bestaunten die grandiose Umgebung und gingen dann wieder zurück. So ein Gletscher sieht übrigens wie eine lange Schutthalde aus. Wenn man näher hinschaut erkennt man, dass nur knapp unterhalb der Schuttoberfläche dickes Eis ist.
War es auf dem Hinweg noch warm gewesen, kühlte es sich auf dem Rückweg sehr schnell ab.
Wieder zurück in der Lodge saßen wir noch zusammen und spielten Karten. Nach dem Abendessen verzogen wir uns schnell auf unsere Zimmer, weil wir alle müde waren und morgen um 6.00h der Kala Patthar zu besteigen ist.

Unsere Tagesetappe (Lobuche - Gorak Shep):


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Dienstag, 29. September 2009

29.09. (Di - Tag 12 - Lobuche - Akklimatisierungstag)

Den heutigen Tag haben wir nur in der Lodge verbracht.


Zuerst haben wir gefrühstückt und uns dann in die Sonne gesetzt. Es ist warm, solange die Sonne scheint. Sobald eine Wolke kommt, wird es kühl. Die Lodgen erzeugen hier Strom mit kleinen Sonnenkollektoren oder mittels Generator. Allerdings muss der Treibstoff dafür mit Yaks aus der Stadt hochgeschleppt werden. Einige Lodges haben auch "Sonnenöfen", die mit Spiegeln die Hitze in einem Punkt focussieren. Dort steht dann ein großer Topf mit Wasser, der aufgeheizt wird. Mit dem Wasser kann man sich dann duschen oder es wird zum Kochen benutzt.


Heute habe ich mit diesem Wasser geduscht und dabei Wäsche gewaschen. Das Wasser war heiß, aber die Dusche selbst kalt. Vor allem der Betonboden. Die Wäsche und meine Haare habe ich an der Sonne getrocknet.

Dann haben wir etwas gegessen und uns dann ein wenig hingelegt.

Nachmittags haben wir Karten gespielt. Eine große Truppe von 23 Kanadiern ist angekommen und macht aus dem Ort der Stille einen ziemlich lauten Platz.

Später gab es Abendessen und wir haben noch ein bisschen Karten gespielt.

Das war es für heute.

Ach ja: Heute ist unser Hochzeitstag. Von hier aus viele Küsse und Umarmungen. Ich liebe Dich, Yeşim.

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Montag, 28. September 2009

28.09. (Mo - Tag 11 - über den Cho La Pass 5.370m nach Lobuche 4.900m)

Wenn ich geschrieben habe, gestern sei die Hölle gewesen, dann kannte ich den heutigen Tag noch nicht.

Leider stand der Tag unter keinem guten Stern. Mir war die ganze Nacht schlecht gewesen und daher hatte ich kaum geschlafen. Um 4.30h ging der Wecker. Bis aufs Zähneputzen in der sternenreichen nepalesischen Steppe fiel die Katzenwäsche daher heute mal ganz aus. Um 5.00h gab es Frühstück, also musste ich zuvor noch den Seesack packen. Gefrühstückt habe ich dann gar nichts, weil mir einfach noch zu schlecht war. Dafür habe ich 2 Snickers und 1 Flasche Cola gekauft. Zucker ist immer gut.

Von der Lodge aus begann recht bald der Anstieg. Ca. 3 km mussten wir eine noch relativ geringe Steigung bewältigen. Trotzdem ist das um diese Uhrzeit eine Tortur. Dann erreichten wir eine Anhöhe, von der wir den Pass sehen konnten, den wir heute überwinden sollten (s. Foto: Der Pass ist in der Mitte zwischen den beiden Gipfeln). Er ist unheimlich steil und hoch. Um dahin zu gelangen, mussten wir noch einmal absteigen und durch ein Tal voller Felsbrocken. Alleine diese Strecke war unmenschlich.
Und dann begann der Aufstieg zum Pass. Rund 600 Höhenmeter mussten wir überwinden. Schutt, Steine, Felsbrocken. Alles zugeschneit. Ein Weg war kaum erkennbar. Seitlich ging es steil bergab. Ein falscher Schritt und es wäre aus. Und ich muss gestehen, dass ich an dieser Stelle einen kräftemässigen Einbruch hatte. Alle 2-3 Schritte musste ich eine Pause einlegen, um den Puls wieder zu senken. Eigenartigerweise musste ich dann alle paar Minuten wie aus heiterem Himmel ganz schnell 5-6 Atemstöße atmen. Ich hatte halt nichts gegessen und es ging mir an diesem Tag einfach nicht gut.

Trotzdem habe ich es - ganz langsam und mit der Hilfe der anderen Jungs - geschafft. Und dann oben auf 5.370m angekommen tat sich ein unheimlich schöner Anblick auf. Alles weiß verschneit. Ein riesiger Gletscher, den wir entlanglaufen durften. Durch den Schnee. Die anderen Berge boten eine wahnsinnige Kulisse. Der Schnee war so grell, dass man es ohne Sonnenbrille nicht aushalten konnte. Einmalig. Die Qualen des Vormittags - wir hatten bis dahin 5 Stunden benötigt - waren vergessen. An dieser Stelle aber noch einmal die Bemerkung, dass diese Etappe unwahrscheinlich schwer und m.E. sogar gefährlich war.


Am Ende des Gletschers konnten wir dann schon in der Ferne unser eigentliches Tagesziel, Dzonghla (4.650m), sehen. Aber bis dahin benötigten wir noch einmal über 1 Stunde für den Abstieg. Der war ebenso schwierig wie gefährlich. Um mal ein Bild zu zeichnen: Die Regionen, die wir durchwanderten, sehen genauso aus wie die aus der Triologie "Herr der Ringe".

Es gibt Steine und Felsen, die sind so schön, man möchte sie alle mitnehmen. Viele Steine glitzern ganz eigenartig. Dann gibt es viele Steine, deren Rot verrät Eisen oder Grün verrät Kupfer. Da man fast die ganze Zeit auf den Weg achten muss, sieht man so viele Steine. Man kann es nicht mit Worten beschreiben.


Endlich nach 7 Stunden in Dzhonghla angekommen, wurden unsere schlimmsten Vermutungen wahr. Die Lodge ist so ziemlich das letzte Loch, in dem man wohnen möchte. Es gibt einen Raum mit Holzetagen, auf denen mehrere Matratzen nebeneinander liegen (s.Foto). Also schläft man Seit an Seit mit fremden Trekkern. Somit stand unsere Entscheidung, nach dem Mittagessen direkt weiter nach Lobuche zu ziehen, sofort fest. Also aßen wir schnell etwas und machten uns sofort wieder auf den Weg.

Der Weg hatte eine Steigung um ca. 250m und war eigentlich ganz ok. Wir hatten weitere 3 Stunden eingeplant, und die brauchten wir dann auch. Insgesamt sind wir dann also Netto 10 Stunden gewandert. Und der Pass ist wohl die schwierigste Etappe auf der ganzen Tour. Auf jeden Fall brauchten wir auf dem letzten Stück dann sogar noch unsere Regensachen, weil es zu schneien anfing. So habe ich die Klamotten dann auch mal benötigt. Immerhin.

Hier in Lobuche ist die Lodge ganz ok. Die Zimmer sind einfach und kalt, aber alles scheint sauber zu sein. Ich habe sogar mit Yesim und Dicle telefoniert, weil es ein fest installiertes Telefon gibt. Unsere Mobiltelefone haben immer noch keinen Empfang.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir alle völlig fertig sind und seit Tagen auch nicht mehr geduscht haben, werden wir hier einen Extratag bleiben. Ich möchte einfach nur schlafen.

Lobuche ist - so wie die anderen Stationen auch - kein Ort in dem Sinne. Es ist eine Ansammlung von mehreren Gasthöfen. Mehr nicht.

Morgen werde ich also schlafen, duschen, Wäsche waschen und mich einfach langweilen. Wie schön.

Unsere Tagesetappe (Dragnak - Lobuche):


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Sonntag, 27. September 2009

27.09. (So - Tag 10 - Gokyo Ri & Dragnak)

Der heutige Tag war geprägt von 2 echten Highlights: Erstens die Besteigung des ersten 5.000ers (Gokyo Ri) und zweitens die Überquerung eines Gletschers.

Der erste Teil, die Besteigung des Gokyo Ri, war die Hölle. Ich stellte meinen Wecker auf 3.30h Uhr und wir trafen uns um 3.50h in der Stube. Dann gab es ein wenig Tee und ich aß noch Kekse und einen Powerrigel. Ohne richtiges Frühstück gingen wir los. Der Gokyo Ri hat 5.350m Höhe und von unserer Lodge waren es noch ca. 600 Höhenmeter bis zur Spitze.

Wir waren mit Führer 6 Personen und hatten Kopflampen an(s. Foto mit Harald), weil es draußen stockfinster war. Und es war bitterkalt. Zunächst mussten wir noch über einen flachen Fluß, der in den See mündet. Wir sprangen also im Schein unserer Kopflampen von Stein zu Stein über Wasser. Was für ein Tourauftakt.


Der ganze Aufstieg dauerte ca. 2,5 Std. - eine einzige Qual. Es ist unbeschreiblich. Alexander lief mal wieder vor, wir voerloren ihn ziemlich schnell in der Dunkelheit aus den Augen. Der Rest der Gruppe hielt zusammen, auch wenn zumindest Harald auch schneller hätte gehen können.

Als wir dann oben angekommen waren, tröste uns natürlich der famose Ausblick für die Strapazen. Die Sonne war auch bereits aufgegangen. Der Blick auf die umliegenden Berge und vor allem auch auf den Gletscher (s. Foto) war beeindruckend. Wir machten oben viele Fotos und stiegen dann wieder ab. Der Abstieg war natürlich einfacher, aber immer noch sehr anstrengend.


In der Lodge trafen wir dann Ralf, frühstückten, packten unsere Klamotten und verabschiedeten Stefan und Sandra. Sie haben eine kleinere Tour gebucht und sind jetzt auf dem Weg zurück nach Kathmandu.

Ralf, Harald, Alexander und ich machten uns dann kurz darauf auf den Weg nach Dragnak, einem Ort kurz vor dem Pass zum Mount Everest, den wir dann am folgenden Tag gehen werden.


Der Weg führte uns zunächst von Gokyo aus die Seitenmouräne hoch (s. Foto mit See) und dann mitten über einen riesigen Gletscher. So etwas habe ich noch nie von der Nähe gesehen geschweige denn, ich bin jemals auf einen Gletscher gelaufen. Es ist unvorstellbar. Man sieht nur eine riesige Stein- und Geröllansammlung. Man meint, es wäre ein Steinbruch. Dazwischen gibt es ab und zu Seen im Gletscher. Dort kann man dann die Dicke des Gletschers erkennen, denn die zum Wasser abfallenden Seiten sind pures Eis. Die Steine und Felsen sind wahnsinnig schön. Zwar ist alles auf den ersten (und weiten) Blick Grau in Grau, aber wenn man dann unten ist, sieht jeder Stein anders aus. Viele sind marmoriert oder glitzern sehr stark. Am liebsten hätte ich viele mitgenommen, aber das ging leider ja nicht. Dicle hätte ihre wahre Freude gehabt.


Den Weg bin ich in Sportschuhen gelaufen, weil ich am rechten Fuß Probleme mit der Achillessehne habe. Nach ca. 1,5 Stunden erreichten wir die Lodge, die einen guten Eindruck macht.

Den Rest des Tages verbrachten wir im Gemeinschaftsraum, aßen Mittag- und Abendessen und wuschen Wäsche. Später schneite es sogar, so dass wir gar nicht wissen, ob es mit der Passüberquerung morgen klappt. Auf jeden Fall müssen wir morgen wieder früh raus, und zwar gehen wir um 5.30h los. Der Pass ist lang und wir werden ca 7-8 keinen Stopp machen können. Dann jetzt mal gute Nacht.


Unsere Tagesetappe (Gokyo - Dragnak):



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Samstag, 26. September 2009

26.09. (Sa - Tag 9 - Gokyo - 4.750m)


Gokyo liegt in 4.750m und somit fast auf Höhe des Mont Blanc, dem höchsten Punkt der Alpen. Der Ort liegt am Fuße des Gokyo Ri, dem ersten 5.000er, den wir morgen auf dieser Tour besteigen werden. Er sieht unspektakulär aus (s. Foto mit See), man hat jedoch wohl einen fantastischen Blick auf die anderen Berge.
Die Tour heute begann wie immer mit einer kurzen Katzenwäsche und dem Frühstück. Das Wetter war wunderbar und so brachen wir freudig um 8.00h nach Gokyo auf. Der erste Teil war wieder ein starker Anstieg, gefolgt von einer längeren mehr oder weniger ebenen Strecke. Die mit weißem Schnee bedeckten 7.000er und 8.000er begleiten uns jetzt überall. Es ist schon ein Wahnsinns-Anblick. Obwohl wir schon auf über 4000m Höhe laufen, sieht es so aus, als wären wir im Tal.

Die Landschaft ist karg, grün und steinig. Man wandert entlang dem reißenden Fluß Dudhkoshi, der sein Flußbett - voll von weißen Felsbrocken - nur zur Hälfte ausfüllt. Zunächst ist man noch gut 100m oberhalb des Flusses. Später steigt man ab und läuft daneben. Eigentlich steigt man nicht ab, weil der Fluß ja in den Bergen entspringt und ins Tal fließt, man geht also bergauf. Der Weg ist sehr steinig und das ist sehr schwierig zu laufen. Überall sind kleine Steine auf die grösseren Felsbrocken aufgeschichtet. Das soll wohl als Wegmarkierung dienen, wenn die Wege verschneit sind.

Die Gruppe hat kein einheitliches Tempo. Einige gehen schnell, andere langsamer. Jeder hat sein eigenes Tempo. Man bekommt auch schwer Luft. Kommt eine kleinere Steigung, ist man schnell aus der Puste. Man macht ohnehin viele Pausen, da man trinken muss - oder auch mal einen Powerriegel essen.


Nach rd. 3,5 Std. kamen wir in Gokyo an. Da war ich schon geschafft, weil ich die letzten Nächte auch nicht so gut geschlafen habe. Und das Frühstück heute früh war auch nicht so fürstlich gewesen. Drei aus unserer Gruppe, Harald, Stefan und Alexander, sind aber noch auf den Gokyo Ri raufgestiegen, weil das Wetter gut war.

Der Rest von uns, Ralf, Sandra und ich, blieb in der Lodge, aß zu Mittag und ruhte sich aus. Die drei Bergsteiger kamen nach rd. 3,5 Std. zurück. Das Wetter hatte sich wohl zwischenzeitlich zugezogen, so dass die Sicht nicht so toll war. Und es war auch kalt.

Morgen früh ist nun unser geplanter Aufstieg zum Gipfel. Um 4.00h ist Treffpunkt und es gibt einen Tee. Dann geht es die 600m hoch und hoffentlich werden wir den Sonnenaufgang erleben. Ralf möchte allerdings nicht mitkommen.


Unsere Lodge, das Gokyo Resort, liegt direkt am Gokyo Lake und ist recht ordentlich. Ralf und ich haben uns je ein Doppelzimmer mit eigenem WC gegönnt. Die Wände sind natürlich auch wieder aus Spanholz - diesmal jedoch mit Tapete bezogen. Fragt mich aber nicht wie: Man hat einfach irgendwelche Reste genommen und zusammengeklebt. Alles recht abenteuerlich aber in Hinblick auf die bisherigen Unterkünfte schon gut. Unser Anspruchsniveau ist mittlerweile sehr gering.

Die Lodge hat auch Telefon, so dass Ralf Patrizia und ich Yesim anrufen konnten. Nach mehreren Tagen das erste Lebenszeichen von uns.

Bis zum frühen Abendessen spielten wir noch Kniffel. Nach dem Essen ging es dann für alle früh ins Bett.


Im Zimmer spielt sich dann immer eine ähnliche Prozedur ab: Ich lege die Sachen für den kommenden Tag raus und packe den Rest so weit wie möglich schon in verschiedene Beutel. In den Schlafsack schlüpfe ich mit langer Leggins, Wollsocken und Fleecepulli, weil es unheimlich kalt ist. Es gibt keine Heizung und wenn überhaupt nur ein Licht mit LED-Lämpchen.

Heute habe ich mal wieder nicht geduscht, weil es zeitlich zu knapp war und es außerdem ziemlich kalt ist. Die Dusche wäre neben/unterhalb des Gemeinschaftsraums gewesen.

So, jetzt Licht aus, weil wir früh raus müssen.

Unsere Tagesetappe (Machermo - Gokyo):



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Freitag, 25. September 2009

25.09. (Fr - Tag 8 - Machermo - Akklimatisierungstag)

Gestern Nacht habe ich kaum geschlafen - Vielleicht insgesamt 2 Stunden. Zunächst war ich eingeschlafen, wurde aber um 22.30h wieder wach und hatte unheimliche Nackenschmerzen. Ich versuchte, mittels Podcast-Hören einzuschlafen, aber das klappte nicht. Gegen 1 Uhr nahm ich dann eine Voltaren 75 und es wurde besser. Mir war zu heiß, dann wieder zu kalt. Im Zimmer sind es so 8 Grad. Außerdem hatte ich ein starkes, drückendes Gefühl auf der Brust, was aber für die erste Nacht in so einer Höhe nichts Ungewöhnliches ist. Die Atmung ist ohnehin flacher und wurde immer wieder durch ein paar schnelle Atemzüge unterbrochen. Gegen 4.30h bin ich dann eingeschlafen, wachte aber nach ca. 45 Minuten wieder auf. Dann döste ich vor mich hin und wollte nicht mit zum Ausflug.

Trotzdem bin ich dann um 7.15h zum Frühstück gegangen und auch zu der darauffolgenden Wanderung. Wir stiegen ca. 200m hoch auf eine Anhöhe. Dort sollte man einen tollen Blick auf die Berge haben, aber leider war es schon zu spät, denn die Wolken verdeckten die Berge. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, sich zu bewegen, um sich zu akklimatisieren. Ein paar schöne Fotos habe ich gemacht. Es war sehr kalt und windig. Ohne Daunenjacke hält man es kaum aus.


Die Vegetation ist sehr einseitig. Es gibt ein paar immergrüne, bodennahe Sträucher, Kräuter und kleine Blumen. Die Felsen scheinen mit einer vielleicht 20-50 cm dicken Erdschicht bedeckt zu sein. Immer wieder schaut ein Felsen aus der Erde heraus. An den gegenüber liegenden Berghängen kann man teilweise direkt auf den Fels schauen, weil die Erdschicht abgerutscht ist.


Auf den Bergrücken, den wir heute hochgewandert sind, sind oft Steine aufgetürmt oder Masten mit bunten Gebetsfahnen aufgestellt. Der Wind lässt die Fahnen tanzen.

Zurück in der Lodge haben wir dann etwas Kniffel gespielt und dann gegessen. Heute habe ich MoMos gewählt, eine Art kleine, selbst gemachte Frühlingsrollen. Vorher esse ich immer eine Suppe, meistens Tomatensuppe. Das hilft, die hohe Flüssigkeitszufuhr aufrecht zu erhalten.

Nach dem Essen legte ich mich hin und auch Ralf war müde. Nach ca. 3 Stunden trafen wir uns wieder in der Stube und spielten. Man kann da nicht viel machen. Interessanterweise wurde es heute sehr voll. Während wir gestern mit einem anderen Pärchen die einzigen waren, ist die Lodge heute fast ausgebucht. Die meisten kommen aus Australien. Uns sind hier schon etliche Australier begegnet.

Heute Nachmittag fing es dann auch wieder an zu regnen - währenddessen blieben wir im Gastraum und spielten und aßen zu Abend. Erst vorhin hörte der Regen auf. Jetzt ist auch sternenklarer Himmel. Aber da es noch zu früh ist und der Mond noch nicht ganz aufgegangen ist, kann man die Berge nur schemenhaft in der Dunkelheit sehen. Vielleicht mache ich ja später noch ein Foto, falls ich wieder aufwache.

Wir alle sind froh, dass der langweilige Tag vorbei ist und wir morgen gesund weiterwandern können.

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Donnerstag, 24. September 2009

24.09. (Do - Tag 7 - Machermo - 4.400m)

Heute hatten wir eine kurze Strecke mit ca. 400 Höhenmetern. Wir brauchten dafür 3 Stunden ohne Pause. Unser Ziel war das Örtchen Machermo, eine Ansammlung von 3-4 Lodges. Da wir um 8.30h aufgebrochen waren, erreichten wir das Ziel rechtzeitig zum Mittagessen.

Der Weg war zunächst ziemlich steil, später fast eben. Das machte das Laufen einfacher. Im übrigen habe ich noch keinen Muskelkater gehabt.

Da wir jetzt oberhalb der Baumgrenze laufen, zieht der Wind sehr stark vorbei. Wenn die Sonne scheint, ist es angenehm warm und man kann im TShirt laufen, aber sobald die Sonne weg ist, geht es nicht ohne Fliesjacke. Beim letzten Anstieg hätte ich mir sogar die Daunenjacke gewünscht. Der Wind und die Wolken schießen regelrecht den Berg hinauf und sind eiskalt. Hier oben ist alles nebelig. Man kann zwar die Gehöfte sehen, aber die Berge ringsum sind in den Wolken.

Nach dem Mittagessen sind wir noch ein bisschen herumgestiegen, um uns besser zu akklimatisieren. Immerhin sind wir mit 4.400m höher als der Großglockner (3.800m) und nicht mehr weit entfernt von dem höchsten Punkt in den Alpen, dem Mont Blanc (4.808m).
Morgen werden wir dann hier bleiben. Wir hatten schon diskutiert, den Akklimisoerungstag in Gokyo zu machen, aber wahrscheinlich bleiben wir doch hier.

Jetzt ist es 14.00h. Ich werde mich ein wenig ausruhen und später duschen. Dazu bekommt man einen Topf mit heißen Wasser draußen in ein zugiges Kämmerchen geliefert.

Gegen 16.00h bin ich aufgewacht und hatte ein wenig Kopfschmerzen. Dann habe ich geduscht. Es war ziemlich kalt, auch wenn das Wasser warm war. Das alles ging ziemlich schnell, aber Hauptsache Haare gewaschen und Körper sauber. Zum Glück hatte ich mir in Namche Bazar so ein schnelltrocknendes Handtuch gekauft. Mit meinem Baumwollhandtuch wäre das nichts geworden. Das wird hier eh nicht mehr trocken. Ich glaube sogar, es zieht die Feuchtigkeit an.

Nach dem Duschen bin ich zu den anderen in die Stube. Die saßen dort schon um den Heizofen herum, der endlich lief. Dort konnte ich mir die Haare trocknen und auch das Handtuch. Wir unterhielten uns und bestellten dann Essen. Langsam wurde es dunkel und kälter draußen.

Das Essen war in Ordnung. Nichts besonderes. Wir beschlossen dabei, den Akklimisierungstag doch hier in Machermo zu verbringen.

Nach dem Essen spielten wir 2 Runden Kniffel. Es war ganz lustig. Der arme Harald hatte keine guten Würfel heute. Na, dann hat er halt Glück in der Liebe.

Jetzt gegen 21.00h gehen alle ins Bett. Es regnet draußen in Strömen. Wenn wir Glück haben, ist es morgen wolkenfrei. Dann werden wir früh aufstehen und ca. 300m auf eine Anhöhe steigen, von der man einen guten Ausblick hat. Das ist auch ein gutes Akklimatisierungs-Training für die kommende Besteigung des Gokyo Ri.

Leider haben wir seit 2 Tagen kein Telefon und auch morgen werden wir keins haben. Ich vermisse Yeşim und die kleine Dicle sehr. Vor allem, wenn man wie jetzt ein wenig Ruhe hat. Ansonsten muss man sich beim Wandern schon ziemlich konzentrieren und ist dadurch abgelenkt. Ich küsse und umarme Euch, meine Lieben.

Unsere Tagesetappe (Dole - Machermo):


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Mittwoch, 23. September 2009

23.09. (Mi - Tag 6 - Dole - 4.080m)


Heute haben wir eine Doppeletappe absolviert und sind jetzt in Dole auf 4.080m.

Grund dafür war, dass wir so lange wie möglich mit Stefan und Sandra zusammen gehen wollen, die aber nur eine Tour bis zum Gipfel des Gokyo Ri machen. Deren Tour ist also kürzer und alternativ hätten sie langsamer mit uns gehen können und dafür auf einen Akklimatisierungstag verzichten müssen. Aber das ist bei diesen Höhen nicht ratsam und so haben wir uns entschlossen, heute eine Doppeletappe zu gehen. Eigentlich hätten wir sonst schon in Khumjung übernachtet.
Da wir zwischendurch auch wieder bergab mussten, hat sich die Vegetation heute mehrmals geändert. Nach starkem Aufstieg kamen wir doch recht bald in Höhen, wo es kaum noch Bäume gibt. Es sind dort steil abfallende Wiesen mit vielen bunten hochalpinen Blumen, etwa so wie Enzian oder Edelweiss. Dort grasen Yaks und Naks, wie die weiblichen Yaks heißen. Diese bulligen Tiere sind uns heute - teilweise an ganz engen Stellen - oft entgegengekommen. Entweder werden sie zur Weide getrieben oder sie dienen als Lasttiere. Beim Abstieg gingen wir dann wieder durch waldiges Gebiet, das fast so aussieht wie in Mitteleuropa.

Die Wege sind wirklich sehr schwer zu gehen, egal ob bergauf oder bergab. Lehmwege sind noch am einfachsten. Aber die steinigen Wege, teileise mit lockerem Schutt oder großen Felsbrocken bedeckt, sind sehr mühsam zu wandern. Es geht nur ganz langsam. Insgesamt waren wir ca. 8 Stunden unterwegs mit einer Pause von ca. 2 Stunden.

An dieser Stelle eine kleine Anekdote. Hier gibt es viele dicke, große Vögel. Es ist eine Rabenart, die sich durchaus laut bemerkbar macht. Außerdem gibt es auch so eine Amselart, die Tiere sind aber kleiner. Als wir nun mittags beim Essen saßen (s. Foto: Sandra, Stefan, Alexander), da legte ich mein "Dessert" - nämlich meinen Power-Riegel -  auf eine kleine Mauer neben mich. Während des Essens stürzte sich plötzlich einer der Raben auf diesen Leckerbissen - und weg war er. Eigentlich haben wir alle das im ersten Moment gar nicht sofort gemerkt. Aber dann war alles klar und einer lief sogar dem Vogel nach. Der war aber über alle Berge. Tja, und dann durfte ich mir auch noch das wie ein Lachende klingende Gekrächze der Raben anhören. Na, vielen Dank auch.



Unser heutiges Ziel - das Dorf Dole - ist eigentlich kein Dorf. Hier sind 3-4 Lodges. Mehr nicht. Jeder Gasthof hat mehrere Zimmer, das sind mit Sperrholz abgetrennte Zellen von ca. 2,50m x 2,50m mit je 2 Pritschen. WC und Plumsklo sind auf dem Gang. Dusche ist draußen. Wobei Dusche ist zuviel gesagt. Man bekommt eine Bottich heißes Wasser und kann sich damit waschen. Ralf, Stefan und Harald haben allerdings darauf verzichtet und sich am kalten Bach gewaschen. Ich hab es mal lieber sein lassen, denn das Wasser war wirklich eiskalt.
Es gibt in jedem Gasthaus einen Gastraum, der beheizt wird. Hier treffen sich alle Gäste und essen. Die Speisekarten sind überall gleich. Reis, Nudeln, Kartoffeln. Meist mit Gemüse und/oder Eiern. Fleisch gibt es wenig, sollte man aber auch nicht essen. Die Suppen sind gut und lecker. Eine wichtige Suppe ist die Knoblauchsuppe, da Knoblauch gegen die Höhenkrankheit wohl vorbeugt.
Heute hatte ich das erste Mal Kopfschmerzen und habe eine Aspirin 500 genommen. Dann ging es besser. Es lag wohl an dem Wind heute. Man schwitzt viel und es ist schon windig und schattig. In dieser Höhe sind derzeit immer Wolken, so dass man die Berge über uns gar nicht richtig sehen kann. Man muss auch höllisch auf den Weg aufpassen, weil es an einer Seite meist steil bergab geht. Und es liegen überall Steine herum und Kot von den Yaks. Heute konnten wir erleben, wie die Tiere diese schon für uns kaum zu überwindenen "Treppenstufen" heruntersteigen. Unfassbar.
Unsere Gruppe besteht nun aus 6 Teilnehmern sowie 2 Führern und 3 Sherpas. Was die Jungs da schleppen ist kaum zu glauben. Und das bei diesen Wegen. Steil bergauf und steil bergab. Ich habe höchsten Respekt vor ihnen. Ein wenig Nepali habe ich gelernt:




Hallo - Namaste

Danke - Danebat

Bitteschön - Sua gadam

Wie geht es dir? - Tapai lai kosto za?

Guten Morgen - Suba bihani

Gute Nacht - Suba ratri

Guten Appetit - Ramro sanga linus

Berg - Himal
Tee - Zia

kalt - ziso

warm - dato

Wasser - Pani

hoch - ukalo

runter - oralo

Essen - Kana

gut - tikza

langsam - bistare

tschito - schnell

1 ek

2 dui

3 tin

4 sar

5 batz

6 zo

7 sat

8 art

9 nou

10 dos




So, dann mache ich jetzt mal Schluss. Es ist zwar jetzt erst 20.20h, aber der Tag war anstrengend. Und ein Telefonnetzt hatten wir heute auch den ganzen Tag nicht. Da kann ich eh nicht mehr viel machen oder jemanden anrufen. Gute Nacht.

Unsere Tagesetappe (Namche Bazaar - Dole):





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Dienstag, 22. September 2009

22.09. (Di - Tag 5 - Namche Bazar - Akklimatisierungstag)

Heute war Ralfs Geburtstag. An dieser Stelle noch einmal die allerbesten Glückwünsche.
Gestern Nacht habe ich nur kurz geschlafen. Das hängt evtl. auch mit der Höhe (3.450m) zusammen. Um 1.40h wurde ich wach, schrieb dann den Blog von gestern, hörte Podcast, aber ich konnte nicht mehr einschlafen. Dann ging um 5.45h ohnehin der Wecker, denn wir wollten uns um 6.00h treffen, um zu einem nahe gelegenen Aussichtspunkt zu gehen.

Also machte ich mich fertig und ging zum Treffpunkt. Ralf blieb heute im Bett, zumal er ja auch Geburtstag hat. Stefan und Sandra aus der anderen Gruppe und ich stiegen mit ihrem Guide zu der anderen Lodge und holten die anderen beiden aus unserer Gruppe, Harald und Alexander, sowie unseren Guide dort ab. Zusammen stiegen wir ca. 15 Minuten auf zu einem Aussichtspunkt, von dem wir das erste Mal den Mount Everest sehen konnten. Er war ein wenig von Wolken zugedeckt.


Das Wetter um diese Uhrzeit (7.00h) ist in Namche Bazar noch gut, dann ziehen langsam die Wolken auf. Von der Aussichtsplattform konnte man auch noch weitere tolle Berge sehen. Der Mount Everest hat übrigens keine Spitze, sondern eher eine Rundung oben.


Auf dem Weg zurück zu den Unterkünften gingen wir noch in ein Sherpa-Museum (s. Foto mit Sandra), in dem von den Leben der Sherpas berichtet wird. Es gibt auch viele Fotos von Sherpas, die bereits auf dem Mount Evetest waren. Manche waren schon 18 Mal ganz oben. Wahnsinn. Davon berichtet natürlich niemand hierzulande.

In der Lodge zurückgekehrt aßen Stefan, Sandra und ich Frühstück. Danach ging ich ins Internet-Cafe und bloggte ein wenig und lass E-Mails. Zurück in der guten Stube fand ich dann schon Ralf zusammen mit den anderen, u.a. auch Harald und Alexander, die sich entschlossen hatten, ebenfalls in unser Hotel zu wechseln.

Ralf und ich blieben dann heute im Hotel, die anderen machten eine 4-5 stündige Tagestour.

Ich nutze die Zeit, meinen Blog sowie einige Fotos hochzuladen. Danach gingen wir kurz raus. Um 13h aßen wir zu Mittag (gebratene Nudeln) und todmüde und völlig ausgekühlt ging ich dann aufs Zimmer. Voll eingepackt schlief ich ca. 2,5 Stunden. Endlich war mir wärmer.

Ich duschte noch heiß, zog mich gemütlich an und traf Ralf in der guten Stube. Auch die anderen kamen kurz darauf. Wir saßen zusammen, unterhielten uns und bestellten für 19.00h das Abendessen.

Vor und während des Essens beratschlagten wir, ob es nicht besser sei, unsere beiden Gruppen für die nächsten Tage zusammenzulegen, da wir den gleichen Weg haben. Nach langem Hin und Her beschlossen wir es, was jedoch bedeutet, dass wir morgen eine Doppeletappe schaffen müssen, um mit der anderen Gruppe (Stefan & Sandra) Schritt halten zu können. Sie haben nämlich nicht so viel Zeit und daher einen strafferen Zeitplan als wir.


Nach dem Essen bekam Ralf eine Mohnschnecke von den anderen geschenkt, die sie in einer deutschen Bäckerei im Ort gekauft hatten, und Ralf schenkte Champagner aus, den er gestern noch im Geschäft im Ort gekauft hatte. So quatschten wir noch über alles mögliche. Es ist gut, dass wir jetzt eine gute Gruppe sind und die nächsten Tage gemeinsam verbringen werden.

Ach ja: Ralf verschenkte seine Mohnschnecke an den kleinen Sohn des Wirtes (s. Foto), der überglücklich war und laut Happy Birthday singend durch die Stube lief. Ralf bekam dann von ihm einen dieser gelb-beigen Freundschaftsschals geschenkt.

Morgen ist die schwere Doppel-Etappe. Um 7.15h ist Frühstück, daher gehe ich jetzt ins Bett. Gute Nacht.

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Montag, 21. September 2009

21.09. (Mo - Tag 4 - Namche Bazar - 3.450m)

Der erste richtige Trekkingtag begann mit einer mehr-oder weniger kalten Katzenwäsche. Im Hof der Lodge - also draußen - befindet sich die einzige Waschstelle. Zum Glück ist es im September noch einigermaßen erträglich - ich frage mich nur, wie die Trekker das dann im Winter machen. Zugegebenermaßen hat man vom Waschplatz einen ziemlich beeindruckenden Blick auf ein Bergmassiv. Da putzt man sich auch schon mal wirklich 3 Minuten lang die Zähne. Nach dem Waschen, Anziehen und Seesack packen ging es zum Frühstück. Noch laufen wir zusammen mit den anderen Gruppen, denn der Weg bis Namche Bazar ist für alle eigentlich gleich. Erst dann trennen sich die Wege.
Heute war erwartungsgemäß mit einem Netto-Aufstieg von 800 Höhenmetern zum Zielort Namche Bazar ein schwerer Tag. Netto, weil - wie mir das bis heute selbst gar nicht bewusst war - man streckenweise hunderte Meter absteigt, um dann wieder aufzusteigen. Das ist sehr ernüchternd, denn der Aufstieg ist schon sehr kräftezehrend. Und wenn man dann einmal 100 Höhenmeter aufgestiegen ist und nach der nächsten Kurve wieder 80 Meter absteigt - was übrigens ebenso mühsam ist - dann ist das ärgerlich. Aber eigentlich ist so ein Streckenvrtlauf auch klar, weil wir ja Schluchten überqueren und nicht überall Hängebrücken sind.

Das ist das Stichwort: Hängebrücken. Tja, das wusste ich auch nicht, dass es solche hier gibt. Manche sind so hoch, dass selbst mir schwindelig wird. Es ist natürlich ein großer Spaß, über diese Stahlgebilde zu laufen und den reißenden Fluß unter sich zu betrachten. Aber wenn dann Wind aufkommt und die Brücke ein wenig schaukelt und evtl. noch ein Reiter, ein paar Rindviecher oder Sherpas mit Lasten entgegenkommen, dann wird einem schon mulmig.
Da es warm und sonnig war, ging ich mit T-Shirt und Cappy sowie langer Trekking-Hose (hab auch nur eine dabei). Außerdem haben wir uns heute die Stiefel angezogen, und das war wichtig.

Die erste Halbetappe führte wieder über steinige Wege an vielen Gasthäusern vorbei bergauf und bergab. Manchmal sind fast Stufen verbaut, allerdings aus ungleichen Felsstücken und nie mit gleicher Höhe. Das macht es schwer, einen Rhythmus beim Steigen zu finden. Den Aufstieg muss man sich wie eine lange, steile Treppe mit großen Stufen aus Felsstücken vorstellen. Aber jeder Tritt muss bedacht sein. Die Wege sind 1-4 Meter breit, an der Seite geht es durchaus steil nach unten, obwohl oftmals noch Bäume oder Sträucher dort wachsen. Die Vegetation ist sehr grün, überall gibt es Bäche, Blumen, Tiere. Alle paar Meter kommt ein Sherpa mit Lasten oder ein Wanderer vorbei.
Die Sherpas bekommen übrigens für so eine Etappe ca. 5 Rupien pro Kilo. Das sind ca. 5 Cent. 1 Liter Wasser in der PET-Flasche kostet 50-150 Rupien. Das mal zum Vergleich. Die Sherpas - leider oft auch Kinder - tragen unheimliche Lasten. Unvorstellbar. Und sie laufen mit Badelatschen oder Turnschuhen - sicher auch, weil richtige Trekkingschuhe für sie nicht erschwinglich sind.
Bei Tawa betraten wir heute den Sagarmatha National Park, der der Mount Everest heißt eigentlich Sagarmathe. Die ganze Region ist ein Naturschutzgebiet und ist entsprechend geschützt. Im Khumbu gibt es übrigens 3 Achttausender: Den Mount Everest (8.848m), den Lhotse (8.516m) und den Cho Oyu (8.201m). Für den Eintritt in den Nationalpark benötigt man ein Formular mit Foto. Zwischendurch gibt es Kontrollposten, die man passiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, können die Behörden so auch feststellen, ob Wanderer vermisst werden - auf jeden Fall haben wir Vermisstenplakate gesehen.
Das Mittagessen nahmen wir in einem netten Gästehaus mit einem schönen Blumengarten ein. Eigentlich gibt es immer das gleiche zur Auswahl: Gebratener Reis oder Nudeln mit Gemüse und/oder Fleisch, Spaghetti, Sandwiches, Pizza, Fleischgerichte, Salate etc. Vor dem Verzehr von Fleisch hatte man uns abgeraten, da dort oben nicht geschlachtet wird und alles stundenlang hochgetragen werden muss. Eine richtige Kühlkette ist insofern nicht möglich. Und Salate und rohes Obst ist eh tabu. Ich esse hier hauptsächlich viel Reis oder Nudeln, um genug Kohlehydrathe aufzunehmen. Man verbrennt unheimlich viel.
Wir trinken auch viel. 4-5 Liter sind Pflicht, weil man sehr viel schwitzt. Aber man braucht die Flüssigkeit auch deshalb, weil sich das Blut verdünnt, je höher wir kommen. Es hilft gegen Dehydration und Kopfschmerzen.
Kopfschmerzen können durch den Wind und den verändeten Luftdruck kommen. Sie können aber auch Anzeichen für eine beginnende Höhenkrankheit sein. Und die kann ganz schnell tödlich enden. Zwar gibt es Medikamente gegen die Scmerzen, aber eigentlich hilft nur eins: Unverzüglich absteigen. Nur das geht halt nicht immer, vor allem Nachts. Und Helikopter kommen nicht immer so schnell zu der Notstelle oder witterungsbedingt auch gar nicht. Einige aus der Gruppe haben schon leichte Kopfschmerzen, da hilft am besten Aspirin - auch schon alleine wegen des blutverdünnenden Effektes. Ich habe zum Glück noch nichts. Trotzdem merken wir, dass das Atmen schwerer fällt und man schneller aus der Puste ist.

Nach der Mittagspause kam dann der schwierigste Teil. Es war ein sehr langer Anstieg, fast 3 Stunden am Stück. Leider hatte uns der Führer Ram (s. Foto, Mitte) versäumt zu sagen, dass - anders als bisher - bis zum Ziel kein Wasser mehr erhältlich sein würde, so dass wir nach kurzem schon nichts mehr zu trinken hatten. Und das war fatal. Ram ließ dann vom Zielpunkt aus jemanden mit Wasser uns entgegenkommen. Danach ging es wieder besser.
Nach 7-8 Stunden - ich weiß das gar nicht so genau - erreichten wir dann das Ziel, Namche Bazar (3.450m). Dies ist ein etwas größerer Ort mit Internet Cafes, Geldautomat und Geschäften. Es ist auch der einzige in der Region, der so groß ist, wer also Geld braucht, der solle es hier noch tauschen (Tipp!). Von hier aus beginnt die eigentliche "Runde". Hier werden wir auf dem Rückweg wieder vorbeikommen und die gleiche Strecke bis zum Ausganfspunkt Lukla gehen.
Als wir eintrafen, lag der Ort, der an einem Hang liegt und sich sicher über schätzungsweise 50-100 Höhenmeter erschreckt, bereits teilweise in einer Wolke. Es war schattig und klam. Bereits bei unserem Anstieg während der zweiten Halbetappe war es kühl geworden und wir hatten die Wolkengrenze erreicht.
Unsere Lodge in Namche Bazar befindet sich oberhalb des Ortes und ist mal wieder äußerst simpel: Die Räume sind Bretterverschläge aus Spanholz, ungepflegte WCs auf dem Gang, kalte und zugige Dusche über den Hof. Der Gastraum ist zwar schön mit einem tollen Blick auf Namche Bazar und das Essen und der Tee durchaus schmackhaft, aber es gibt eine Alternative: Stefan, ein Mitwanderer aus einer anderen Gruppe, kam zu uns und erzählte von seiner Herberge im Ort unterhalb unserer Lodge, in der er und seine Frau Sandra wohnten. So wechselten Ralf und ich heute in dieses andere Quartier, zumal wir morgen ohnehin einen Akklimatisierungstag haben und demnach länger vor Ort sind. Alexander aus unserer Gruppe wollte nicht wechseln, Harald wäre gerne mitgekommen, wollte dann aber Alexander nicht alleine lassen. So ist unsere kleine Gruppe jetzt geteilt, was sicherlich nicht gerade schön ist, andererseits müssen wir auch sehr vorsichtig mit unserer Gesundheit sein.  Und wenn sich die Gelegenheit bietet, in einem sauberen, nicht zugigen Zimmer mit Bett, eigener Dusche und eigenem WC zu wohnen, dann muss man das u.E. auf jeden Fall tun. Denn das ganze ist sehr kräftezehrend und jeder Virus und jedes Bakterium freut sich auf einen geschwächten Körper. Und die Mehrkosten fallen mit rd. 5€ pro Person pro Nacht nicht ins Gewicht, zumal man in der einfachen Lodge fürs Duschen noch einmal 3€ extra bezahlen muss. Und für 1 Stunde Akku aufladen je 1€. Das haben wir in der anderen Lodge alles inklusive. Leider werden wir wohl nach Namche Bazar keine besseren Lodges mehr vorfinden.
Der Tag war also geprägt von Anstrengung, aber auch sehr schönen Momenten. Langsam nehmen wir den Rhythmus von Nepal auf. 
Unsere Tagesetappe (Padking - Namche Bazaar)




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Sonntag, 20. September 2009

20.09. (So - Tag 3 - Padking - 2.600m)

Heute klingelte der Wecker um 4.30h. Um 5.00h war Treffen in der Lobby mit Tee und Kaffee. Dann wurden wir mit Minibussen zum Flughafen gebracht. Unterwegs gab es Lunchpakete, die so lala schmeckten.

Nach dem Einchecken ging es zu den Flugzeugen. Je 16 Leute passen in die 2-Propeller-Maschinen. Unsere Fluggesellschaft hatte den klingenden Namen "Yeti Airlines".
Der Start war butterweich. Der Flug war toll, durch und über die Wolken, immer wieder Berge fast auf gleicher Höhe links oder rechts. In der Ferne sah man die 8.000er durch die Wolken blitzen.
Dann die Landung: Das Flugzeug steuerte auf einen Berg zu, wo sich die extrem kurze Landebahn (vielleicht 300 Meter???) von Lukla befindet. Das Flugzeug setz auf, schlingert und bekommt noch rechtzeitig vor den Ende der Startbahn, dem Bergmassiv, die Kurve. Übrigens ist hier letztes Jahr eine Maschine mit deutschen Touristen zerschellt: 18 Tote (18 Tote bei Absturz in Lukla). Wie gut, dass ich davon vorher keine Ahnung hatte.
Lukla ist ein kleiner Ort, eigentlich nur eine Strasse. Hier bekommt man alles, auch Coca Cola oder Pringels. Na ja, alles vielleicht nicht. Einen Starbucks gibt es auch - unglaublich, aber wahr (s.Foto). Es gibt auch eine Nepal Investment Bank, wo wir dann noch einmal Geld gewechselt haben. Man sagte uns, dass wir ca. 200-300 EUR für Getränke - hauptsächlich Wasser - benötigen.
In Lukla - übrigens 2.850m hoch - beginnen die Touren in die Khumbu-Region. Wir stiegen heute erst einmal ab auf 2.600m nach Pakding. Das ist eine Etappe von ca. 2 Stunden. Der Weg ist sehr steinig. Manchmal sind auch grosse Felsstufen eingebaut. Man muss schon ziemlich auf den Weg achten, damit man sicher auftritt und nicht ausrutscht oder übel umknickt. Kurze Strecken führten auch bergauf und der Puls ging bei uns sofort in die Höhe. Obwohl wir erst noch ganz unten waren.
Die Landschaft ist atemberaubend. Die Berge sind schon hoch und alles ist sehr grün. Alle paar Hundert Meter sind ein paar Gasthäuser, wo man Wasser (oder Cola, Schokoriegel oder Pringels) kaufen kann. Am Rande sitzen Einheimische. Männer im Garten, Frauen mit Kühen, Mütter waschen Wäsche oder ihre Kinder. Alle zurückhaltend aber freundlich.

Immer wieder kommen uns Lastenträger entgegen oder überholen uns - mit unserem eigenen Gepäck. 1 Sherpa trägt 2-4 Taschen - ich selbst hab kaum meine eigene tragen können. Und die sind ja 1-2 Köpfe kleiner, schmächtig, meist schlecht ausgerüstet - aber zäh.
Immer wieder kommt man an kleinen buddhistischen Tempeln vorbei. Dort kann man eine Gebetsmühle drehen (s. Foto) und sich etwas wünschen. Oder man kommt an Anhäufungen von Steintafeln vorbei, in die Gebete geschlagen wurden oder an schön bemalten, riesigen Findlingen. Diese Objekte stehen dann oftmals mitten im Weg und man geht übrigens immer links daran vorbei.
Auf dem halben Weg kamen wir an unsere erste Hängebrücke aus Stahl, die über einen Fluß führte. Ziemlich hoch bzw. tief das Ganze. Und wackelig, sehr wackelig. Ein echtes Highlight.
Im Laufe der Etappe kamen wir immer weiter zu einem Fluß, der sich stark und laut rauschend zwischen den Bergketten schlängelt. Das Wetter war heute sehr schön, teilweise sogar heiß. Deswegen soll man sich auch mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen, zumal die Sonne hier oben stark ist. Kommt man in schattige Bereiche, wird es schnell kühl. Man schwitz viel. Die spezielle Kleidung ist ausgezeichnet, denn man trocknet auch sehr schnell wieder. Mindestens 4 Liter Wasser oder Tee soll man auf dieser Höhe trinken, um keine Höhenkrankheit zu bekommen. 
Gegen 12.30h kamen wir dann in Pakding (2.600m) an. Zugegebenermaßen waren wir ziemlich fertig. Wir wohnen in einer kleine Lodge am Wegesrand. In den Zimmern gibt es lediglich 2 mit Schaumstoff gepolsterte Pritschen, auf denen wir mit unseren Schlafsäcken liegen. WC und Dusche sind auf dem Gang. Das WC ist ähnlich dem auf einer gut frequentierten deutschen Autobahnraststätte - also schmutzig. Geduscht haben wir heute nicht. Zähneputzen geht mit gekauftem Wasser, damit man bloß keinen Durchfall bekommt. Auch rohes Obst oder Salat ist tabu.
Mittags habe ich gebratenen Reis gegessen, abends gebratene Nudeln. Kohlehydrahte sind wichtig, zumal morgen eine extrem schwere Etappe mit 800 Höhenmetern bevorsteht. Heute sind wir noch in Sportschuhen gewandert. Morgen geht es nur noch mit den Stiefeln. Hoffentlich bleibt das Wetter so schön. Zwar hatten wir nach dem Lunch 3-4 Stunden geschlafen, aber jetzt ist es gleich 21.30h und wir müssen fit sein für morgen. Also Gute Nacht. Ich schlafe jetzt.
Unsere Tagesetappe (Lukla - Phakding)



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