Montag, 28. September 2009

28.09. (Mo - Tag 11 - über den Cho La Pass 5.370m nach Lobuche 4.900m)

Wenn ich geschrieben habe, gestern sei die Hölle gewesen, dann kannte ich den heutigen Tag noch nicht.

Leider stand der Tag unter keinem guten Stern. Mir war die ganze Nacht schlecht gewesen und daher hatte ich kaum geschlafen. Um 4.30h ging der Wecker. Bis aufs Zähneputzen in der sternenreichen nepalesischen Steppe fiel die Katzenwäsche daher heute mal ganz aus. Um 5.00h gab es Frühstück, also musste ich zuvor noch den Seesack packen. Gefrühstückt habe ich dann gar nichts, weil mir einfach noch zu schlecht war. Dafür habe ich 2 Snickers und 1 Flasche Cola gekauft. Zucker ist immer gut.

Von der Lodge aus begann recht bald der Anstieg. Ca. 3 km mussten wir eine noch relativ geringe Steigung bewältigen. Trotzdem ist das um diese Uhrzeit eine Tortur. Dann erreichten wir eine Anhöhe, von der wir den Pass sehen konnten, den wir heute überwinden sollten (s. Foto: Der Pass ist in der Mitte zwischen den beiden Gipfeln). Er ist unheimlich steil und hoch. Um dahin zu gelangen, mussten wir noch einmal absteigen und durch ein Tal voller Felsbrocken. Alleine diese Strecke war unmenschlich.
Und dann begann der Aufstieg zum Pass. Rund 600 Höhenmeter mussten wir überwinden. Schutt, Steine, Felsbrocken. Alles zugeschneit. Ein Weg war kaum erkennbar. Seitlich ging es steil bergab. Ein falscher Schritt und es wäre aus. Und ich muss gestehen, dass ich an dieser Stelle einen kräftemässigen Einbruch hatte. Alle 2-3 Schritte musste ich eine Pause einlegen, um den Puls wieder zu senken. Eigenartigerweise musste ich dann alle paar Minuten wie aus heiterem Himmel ganz schnell 5-6 Atemstöße atmen. Ich hatte halt nichts gegessen und es ging mir an diesem Tag einfach nicht gut.

Trotzdem habe ich es - ganz langsam und mit der Hilfe der anderen Jungs - geschafft. Und dann oben auf 5.370m angekommen tat sich ein unheimlich schöner Anblick auf. Alles weiß verschneit. Ein riesiger Gletscher, den wir entlanglaufen durften. Durch den Schnee. Die anderen Berge boten eine wahnsinnige Kulisse. Der Schnee war so grell, dass man es ohne Sonnenbrille nicht aushalten konnte. Einmalig. Die Qualen des Vormittags - wir hatten bis dahin 5 Stunden benötigt - waren vergessen. An dieser Stelle aber noch einmal die Bemerkung, dass diese Etappe unwahrscheinlich schwer und m.E. sogar gefährlich war.


Am Ende des Gletschers konnten wir dann schon in der Ferne unser eigentliches Tagesziel, Dzonghla (4.650m), sehen. Aber bis dahin benötigten wir noch einmal über 1 Stunde für den Abstieg. Der war ebenso schwierig wie gefährlich. Um mal ein Bild zu zeichnen: Die Regionen, die wir durchwanderten, sehen genauso aus wie die aus der Triologie "Herr der Ringe".

Es gibt Steine und Felsen, die sind so schön, man möchte sie alle mitnehmen. Viele Steine glitzern ganz eigenartig. Dann gibt es viele Steine, deren Rot verrät Eisen oder Grün verrät Kupfer. Da man fast die ganze Zeit auf den Weg achten muss, sieht man so viele Steine. Man kann es nicht mit Worten beschreiben.


Endlich nach 7 Stunden in Dzhonghla angekommen, wurden unsere schlimmsten Vermutungen wahr. Die Lodge ist so ziemlich das letzte Loch, in dem man wohnen möchte. Es gibt einen Raum mit Holzetagen, auf denen mehrere Matratzen nebeneinander liegen (s.Foto). Also schläft man Seit an Seit mit fremden Trekkern. Somit stand unsere Entscheidung, nach dem Mittagessen direkt weiter nach Lobuche zu ziehen, sofort fest. Also aßen wir schnell etwas und machten uns sofort wieder auf den Weg.

Der Weg hatte eine Steigung um ca. 250m und war eigentlich ganz ok. Wir hatten weitere 3 Stunden eingeplant, und die brauchten wir dann auch. Insgesamt sind wir dann also Netto 10 Stunden gewandert. Und der Pass ist wohl die schwierigste Etappe auf der ganzen Tour. Auf jeden Fall brauchten wir auf dem letzten Stück dann sogar noch unsere Regensachen, weil es zu schneien anfing. So habe ich die Klamotten dann auch mal benötigt. Immerhin.

Hier in Lobuche ist die Lodge ganz ok. Die Zimmer sind einfach und kalt, aber alles scheint sauber zu sein. Ich habe sogar mit Yesim und Dicle telefoniert, weil es ein fest installiertes Telefon gibt. Unsere Mobiltelefone haben immer noch keinen Empfang.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir alle völlig fertig sind und seit Tagen auch nicht mehr geduscht haben, werden wir hier einen Extratag bleiben. Ich möchte einfach nur schlafen.

Lobuche ist - so wie die anderen Stationen auch - kein Ort in dem Sinne. Es ist eine Ansammlung von mehreren Gasthöfen. Mehr nicht.

Morgen werde ich also schlafen, duschen, Wäsche waschen und mich einfach langweilen. Wie schön.

Unsere Tagesetappe (Dragnak - Lobuche):


Für Fotos von dieser Etappe hier klicken.

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